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Seit mehr als drei Jahren engagiert sich Ilse bei der Kontakt- und Beratungsstelle für Straßenjugendliche (KuB). Nachdem die 64-Jährige in Altersteilzeit gegangen war, hatte sie sich neu orientiert und sich ein Ehrenamt gesucht. Sie brachte sich beim Theaterprojekt der KuB ein und kocht noch immer einmal die Woche für obdachlose Jugendliche. Im letzten Jahr hörte sie dann von Die Fünfte Hand. Die Idee des Patenschaftsprojekts gefiel ihr. Als ihr dann der Freiwilligenkoordinator Günter Porath von Leon erzählte, hatte sie das Gefühl, dass diese Aufgabe genau die richtige für sie sein könnte. „Ich wollte gerne einen intensiven Kontakt zu einem Kind aufbauen, zwei Stunden wöchentlich wie sonst üblich bei Die Fünfte Hand erschienen mir zu wenig. Da passte es ganz gut, dass Leons Mutter einen Paten suchte, der dem Kind mehr Zeit widmen wollte“, sagt Ilse.

Wichtig ist, dass die Chemie stimmt

Leons Mutter ist allein erziehend und Stewardess. Ein ständiger Stress war für sie die Betreuung von Leon bei wechselnden Personen. Sie suchte jemanden, der mehr als eine Betreuungsperson für ihren 13-jährigen Sohn ist. Jemanden, der echtes Interesse an ihm hat, der auf ihn eingehen kann und gerne für ihn da ist – und das auch über mehrere Tage, denn manchmal ist Leons Mutter drei bis vier Tage unterwegs. Genau das konnte Ilse sich vorstellen: Leon für mehrere Tage bei sich aufzunehmen und ganz normalen Alltag zu leben. „Ich bin ein spontaner Mensch, ich habe mir keine großen Gedanken über die Patenschaft gemacht. Ich habe einfach alles auf mich zukommen lassen. Die entscheidende Frage ist sowieso, ob die Chemie stimmt. Das ist das Risiko, das man erst einmal eingeht. Man weiß vorher nicht wirklich, wie das Kind reagiert und ob man zusammenpasst. Insofern war ich ganz entspannt“, sagt sie.

Es braucht Zeit zum Kennenlernen

Das erste Treffen mit Leon war ein gemeinsamer Besuch mit seiner Mutter bei Ilse. Sie tranken gemeinsam Kaffee und unterhielten sich gut. Schnell war klar, dass die Chemie stimmte – sowohl zwischen Leon und Ilse wie auch zwischen der Mutter und der Patin. „Obwohl wir vollkommen unterschiedliche Menschen sind, vertreten wir in vielen Dingen die gleichen Ansichten. Auch in Erziehungsfragen stimmen wir in den wichtigen Punkten überein, so dass eine gute Grundlage für ein positives Miteinander gegeben ist“, sagt Ilse. Inzwischen ist Ilse seit einem Jahr Leons Patin. „Wir haben uns im vergangenen Jahr sehr gut kennen gelernt und kommen bestens miteinander klar. Stundenlang können wir miteinander reden und diskutieren. Die Themen gehen uns nicht aus“, äußert sie sich zufrieden über die Patenschaft.

Auf das Kind einlassen und etwas gemeinsam unternehmen

Ilse hat die Erfahrung gemacht, dass eine Patenschaft sich ergibt. „Wichtig ist, dass ich mich auf das Kind einlasse und nicht umgekehrt. Es sind während der Schulzeit auch keine großen Dinge, die wir gemeinsam machen, Karten spielen, gemeinsam essen, reden, einkaufen, spazieren gehen. Das Wichtigste ist einfach nur Zeit zu haben. An den Wochenenden und in den Ferien haben wir Zeit für größere Unternehmungen“, sagt die engagierte Rentnerin.

Die Fünfte Hand bietet regelmäßig Patentreffen an, die Ilse gerne besucht. Es sind nette Zusammenkünfte, bei denen auch pädagogische Themen zur Sprache kommen. Wichtig für die Paten ist ein kontinuierlicher Ansprechpartner, der mit Rat und Tat bei Bedarf zur Seite steht.

Gegenseitiges Vertrauen ist die Basis für eine Patenschaft

Für Ilse zeichnet eine Patenschaft beiderseitiges Vertrauen aus, eine Vertrauensbasis zwischen dem Kind und dem Paten. Ein Pate ist in der Lage, Konflikte aufzufangen oder zu mildern. Ein Pate kann als Puffer fungieren, denn er gehört als Außenstehender nicht zur Familie. „Für mich persönlich ist die Patenschaft eine Erfüllung. Ich freue mich sehr, wenn Leon kommt. Er bedeutet mir inzwischen sehr viel. Die Patenschaft erlebe ich als intensive Aufgabe“, sagt sie. Auch Leons Mutter kann sich jetzt beruhigt ihrem Job widmen. Sie weiß, dass Leon sich bei Ilse wohl fühlt und zufrieden ist. Das ist für sie die Hauptsache.

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