Wie bist Du auf die Idee gekommen, Patin zu werden?
Als ich meinen Arbeitsplatz gewechselt habe, hatte ich etwas mehr Zeit, die ich für ein ehrenamtliches Engagement nutzen wollte. Ich wollte gerne etwas für und mit Kindern machen. Deswegen hat mir die Idee von Kinderpatenschaften gefallen, und ich habe mich bei zwei Projekten informiert. Entschieden habe ich mich dann für Die Fünfte Hand.

Wie ist Dein besonderes Interesse für Kinder in familienanalogen Wohngruppen entstanden?
Im Patenworkshop hat uns der Projektkoordinator Günter Porath von den Kindern aus familienanalogen Wohngruppen erzählt, die ja aus verschiedenen Gründen nicht mit ihren Eltern zusammenleben können. Da wusste ich, dass ich mich um eines dieser Kinder kümmern möchte. Für die Wohngruppenkinder war mein Interesse stärker, weil ich das Gefühl hatte, dass sie eine Patin als Bezugsperson mehr brauchen als Kinder, die bei einem Elternteil wohnen. Mein Patenkind Sophie* erhält nur Besuch von mir.

Wie hat die Patenschaft begonnen und wie läuft sie jetzt?
Vor dem ersten Treffen war ich sehr aufgeregt. Ich wurde herzlich von der ganzen Wohngruppe empfangen und war positiv überrascht vom Wohnumfeld. Die Erzieherin hat sich dann mit mir und Sophie in einen gesonderten Raum zurückgezogen, wo wir uns unterhalten und besser kennen lernen konnten.

Inzwischen treffen wir uns mindestens einmal die Woche, unter der Woche oder am Wochenende, je nachdem wie es meine Arbeitszeit zulässt. Am Anfang dachte ich, dass es besser wäre, sich in der Wohngruppe zu treffen. Später habe ich gemerkt, dass es Sophie gut tut, aus ihrem Wohnumfeld herauszukommen. Wir gehen Eis essen oder ins Einkaufszentrum, spielen Mensch ärgere Dich nicht, manchmal lesen Sophie und ich uns abwechselnd etwas vor. Ich habe sie auch schon zu meinen Eltern mitgenommen, um ihr das Zwergkaninchen zu zeigen. Und auch mein Zuhause und meinen Freund hat sie kennengelernt. Schließlich soll sie wissen, wie ich lebe.

Wie hat sich die Patenschaft in der gesamten Zeit verändert? Und gab es auch mal Schwierigkeiten?
Am Anfang hat Sophie noch ausgetestet, was sie mit mir machen kann. Auch mit dem Abschied konnte sie nicht so gut umgehen, hat mal getreten oder wurde total unruhig. Inzwischen habe ich ein Gefühl dafür entwickelt, wie es ihr geht und wie viel ich mit ihr machen kann. Es gab auch, je mehr wir uns kennenlernten, immer mal wieder schwierige Situationen mit Sophie. Wichtig war für mich dann die Möglichkeit, mit den ErzieherInnen zu reden. In der Wohngruppe habe ich mich immer gut aufgehoben gefühlt. Gemeinsam konnten wir oft auch mit Sophie Situationen besprechen und damit bereinigen.

Wie siehst Du Deine Patenschaft insgesamt?
Seit fast drei Jahren bin ich jetzt Patin der inzwischen 11-jährigen Sophie – und ich bin es gerne. Mir macht es sehr viel Spaß, Zeit mit Sophie zu verbringen. Und ich merke auch, dass es Sophie sehr gut tut und sie sich positiv entwickelt.

* Name geändert

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